Hippie Mode Kleidung

Für die wirklich Coolen wurden die Sechziger rasch zu einem Jahrzehnt rastlosen Experimentierens und atemloser Jagd nach der nächsten Sensation. In den späten Sechzigern ließ die Suche nach Selbstverwirklichung, verbunden mit einer Gegenbewegung gegen den Konsumwahn der frühen Jahre, das Interesse für den strengen Minimalismus der Mode, den weißen Futurismus der Kleidung und die kurzlebige Frivolität des Pop erlahmen. Eine Art Mode-Anarchie machte sich breit.

Alles ist jetzt erlaubt, solange es eine Art Look ist, kommentierte ein Beobachter. Nichts ist heute out, weil alles in ist. Die Mods hatten im Gefolge der Beatniks eine Tür zu einer schönen neuen Welt vorher unvorstellbarer persönlicher Freiheit nicht nur für eine kleine Avantgarde, sondern für die breite Masse aufgestoßen. Nachdem die Schlachten jetzt geschlagen waren und die alte Garde – teils widerstrebend, teils begeistert – die multitalentierte Generation der Jugendrevolte akzeptiert hatte, gaben die Hippies jetzt den Ton an und versuchten, mit ihrer gegen das Establishment gerichteten antimaterialistischen Kultur der Liebe die Welt zu revolutionieren. Plötzlich wurde die Mode nicht mehr als harmloser Spaß empfunden wie noch zu der Zeit, als Mary Quant ihre Karriere begann – sie wurde vielmehr definiert als ein System, das die Gesellschaft uns allen aufzwingt, womit sie unsere Freiheit einschränkt und uns zu raffgierigen Konsumenten macht. Das Zentrum der Kultur und der Mode verlagert sich von Chelsea und dem Swinging London in das Stadtviertel Haight Ashbury in San Francisco, die aufregend-neue geistige Heimat der Hippies. In diesem philosophischen Klima wird der Ethno-Look überaus populär, und Kleidung aus vorindustriellen Kulturen wie Asien und Südamerika schien individueller, freundlicher und vor allem echter zu sein als die Kleidung, die in einer Gesellschaft massenproduziert wird, die immer mechanisierter wird und sich immer ungenierter zum Kapitalismus bekennt.

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